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Christen seit Wochen in Haft, einige "verschwunden"

Thai_Van_Dung

Mindestens zwölf vietnamesische Christen, die sich in religiösen, sozialen und politischen Bereichen engagiert haben, befinden sich seit mehreren Wochen in Haft, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).

Demonstranten als "Tabubrecher" willkürlich festgenommen

Frankfurt am Main/Hanoi (26. August 2011) - Mindestens zwölf vietnamesische Christen, die sich in religiösen, sozialen und politischen Bereichen engagiert haben, befinden sich seit mehreren Wochen in Haft, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Nach Einschätzung der IGFM ist in den letzten Tagen eine zunehmend aggressive Reaktion der vietnamesischen Regierung auf jegliches in ihren Augen "nonkonformes" Verhalten festzustellen. am 21. August 2011 wurde in Hanoi eine friedliche regierungskritische Kundgebung gewaltsam aufgelöst. Dabei wurden etwa 50 Personen festgenommen. Mindestens sechs der Demonstranten befinden sich noch immer in Haft.

Die IGFM appelliert an Vietnam, die Gefangenen sofort freizulassen oder Anklage gegen sie zu erheben. Ferner soll Vietnam die Menschenrechte auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit, die in der vietnamesischen Verfassung und dem Internationalen Pakt für Politische und Bürgerliche Rechte verbrieft sind, in vollem Umfang respektieren.

Lage der inhaftierten Christen ungewiss
Zwischen dem 30. Juli und dem 19. August sind 19 Katholiken und ein evangelischer Christ, die sich in religiösen, sozialen und politischen Bereichen engagierten, verhaftet worden. Sieben Personen kamen inzwischen frei, zwölf Christen befinden sich bis heute in Haft. Gegen fünf der Inhaftierten - Ho Duc Hoa, Dang Xuan Dieu, Nguyen Xuan Anh, Nguyen Van Duyet und Nguyen Van Oai - werde laut behördlicher Mitteilung an deren Familien wegen "subversiver Aktivitäten" (Art. 79 des StGB Vietnams) ermittelt. Begründet wird dies mit der Beschuldigung, sie würden der verbotenen "Revolutionären Reformpartei" (Viet Tan) angehören. Im Falle einer Anklageerhebung und Verurteilung würden ihnen 5 bis 20 Jahre Haft bzw. lebenslängliche Haft oder die Todesstrafe drohen.

Drei katholische Studenten - Tran Huu Duc, Dau Van Duong und Chu Manh Son - befinden sich nach Angaben ihrer Familien im Untersuchungsgefängnis von Nghi Kim, Provinz Nghe An. Von drei inhaftierten Christen - Thai Van Dung, Ho Van Oanh und Nong Hung Anh - fehlt seit ihrer Festnahme jede Spur.
18 von den 19 inhaftierten Katholiken stammen aus der Diözese Vinh, deren Bischof Nguyen Thai Hop zurzeit den Vorsitz der Kommission Justitia et Pax inne hat. Sie engagierten sich für den Schutz des Lebens der Ungeborenen, für soziale Randgruppen, für soziale Gerechtigkeit und für politische Gefangene. Einige hatten Kurse über Journalismus in Hanoi besucht und waren danach als freie Mitarbeiter der Redemptoristen-Website tätig, die zu den kritischen Stimmen des Landes zählt. Möglicherweise stehen die Redemptoristen auch im Visier des Sicherheitdienstes.

Willkürliche Haft für "Tabubrecher"
Die Bewegung für die Rückgabe der von China besetzten vietnamesischen Inseln im Südchinesischen Meer wurde von vietnamesischen Intellektuellen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ins Leben gerufen. Da dieses Thema für die Regierung Vietnams ein wunder Punkt ist und von ihr als ein Tabu behandelt wird, reagiert sie zunehmend aggressiv. Auch am 21. August in Hanoi, wo sich trotz Verbots Menschen zur Kundgebung versammelten. Es war bereits die elfte, die dort stattfand. Zuerst verlief alles äußerst friedlich, sehr diszipliniert marschierten die Demonstranten auf dem Bürgersteig. Eine halbe Stunde später erschien die Miliz und löste die Demonstration mit brutaler Gewalt auf. Rund 50 Personen wurden festgenommen und in zwei Bussen abtransportiert. 37 von ihnen kamen nach mehrstündigen Verhören und polizeidienstlicher Erkennung frei, acht wurden für 36 Stunden in Gewahrsam genommen, sechs weitere kamen für fünf Tage in Haft, obwohl die gesetzlich festgeschriebene Frist für Gewahrsam drei Tage beträgt. Die vietnamesische Verfassung schützt zwar das Recht auf Demonstration, aber die Regierung schränkt dieses Recht vehement ein und erlaubt nur regimekonforme Veranstaltungen.


Quelle: www.igfm.de