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Lieber Herr Ministerpräsident: Nur Angst vor Ungerechtigkeit

Es hat am vergangenen Freitag (09.02.07) eine Art „Begegnung“ zwischen dem Ministerpräsidenten Nguyễn Tấn Dũng (Bild) und den Bürgern übers Internet gegeben. Ein junger Leser hat seine Fragen in einem Brief an VietnamNet (eine staatliche Online-Zeitung) geschickt, mit der Bitte, sie an den Ministerpräsident weiterzuleiten.

Armut:
Unser Land ist noch sehr arm. Das habe ich erst begriffen, als ich an jenem Tag meine Tante beim Schuldeneintreiben begleitete. Meine Tante besitzt eine Reishandlung auf dem Markt von der Stadt Thái Nguyên. In dieser Branche ist das üblich, dass sie dem einen oder anderen Menschen Reis auf Kredit verkauft und gelegentlich zu den Schuldnern gehen muß, um ihre Erlöse zu fordern, wenn der Zahlungstermin fällig ist. Aber das eine Mal habe ich etwas ganz trauriges beim Schuldeneintreiben erlebt.


Als meine Tante und ich das Haus des „Schuldners“ erreichten, zögerten wir uns einwenig hineinzugehen, weil die Familie (Vater, Mutter und Kind) gerade beim Essen war. Die Mahlzeit besteht aus einem Topf mit Reis und Süßkartoffel zusammen gekocht und einer Schüssel Laubsuppe. Der Ehemann sagt zu seiner Frau: „Als Schwangere brauchst du gesunde Nahrung und bekommst deshalb den Reis. Der kleine und ich, wir sind gesund und essen deshalb Süßkartoffel.
Als meine Tante diese Wörter gehört hat, zog sie mich an dem Arm, um schnell auf die Strasse zu verschwinden. Zu spät. Sie haben die Anwesenheit fremder Menschen bemerkt. Die schwangere Frau stand mit ihrem dicken Bauch verlegend auf. Und der Ehemann entschuldigte sich mehrmals. Das gleiche tat auch meine Tante. Der kleine klammerte sich ängstig an seiner Mutter und in seinen Augen waren Tränen zu sehen.
Ich erzählte diese Geschichte einigen Klassenkameraden von der Abendschule für Rechte. Einer von ihnen sagte: “Es ist gar nicht nötig so weit zu fahren. Du brauchst dich nur bist zu der Brücke Chương Dương zu begeben. Dort gibt es ein Fischerdorf. Die Menschen leben am Ufer des Flusses in unsagbarer Armut. Selbst wenn die Wirtschaft um 8% wächst, bleiben die Armen in unserem Land weiter unter sehr schwierigen Bedingungen“.
Ich habe auch gehört, dass die Fischer am Roten Flusses schon über 3 Generationen in engsten Räumen leben. Nachts liegen sie Kopf an Kopf neben einander. Wenn die Kinder weinen, werden alle wach. Eine alte Frau verletzte sich mit dem Fuß am verrosteten Metallgegenstand. Die Familie hatte nicht das Geld für Antibiotika. Der ganze Fuß wurde verfault und musste amputiert werden.
Ich wurde nach diesen Geschichten eine Weile still und habe begriffen, dass es in unserem Land noch so viele solche arme Menschen gibt.

Angst vor Ungerechtigkeit
Viele Menschen sind arm aufgrund der langen Kriege, Umweltkatastrophen usw.. Aber es ist so bedrückend, dass der Staat jährlich viele Milliarden von Dong aus ODA-Projekten durch Korruptionen verliert. Diese Gelder hätten so gut für den Ausbau der Infrastruktur, Wirtschaftsentwicklungsvorhaben, Gesundheitswesen, Ausbildung und gegen Armut eingesetzt werden können.
Es ist auch so schmerzhaft zu erfahren, dass Spendegelder für die Flutopfer in die Taschen anderer Leute gelandet sind. Frecherweise hat man die Flutopfer gezwungen, Empfangsbestätigung in Höhe von 1.000.000 Dong zu unterschreiben. In Wirklichkeit hatten sie aber nur 100.000 Dong bekommen. Es wurde ein disziplinarisches Verfahren gegen den Kreisvorsitzenden der betreffenden Region eingeleitet. Dieser wurde zum stellvertretenden Verwalter der Wirtschaftszone der Provinz „degradiert“!
Es ist so wütend zu sehen, dass noch sehr viele Dorfwege während der Regenzeit zu Sumpfmassen verwandelt werden. Die Kinder auf dem Weg zur Schule müssen die Latschen in den Händen tragen und auf den zehn Zehenspitzen darüber laufen. Landwirtschaftsprodukte in den weit abgelegenen Orten können nicht an die Verbraucher gebracht werden, weil eine vernünftige Infrastruktur fehlt. Während dessen haben Bauunternehmen und Bauinvestoren gemeinsam bis zu 361 Milliarden Dong allein aus einem einzigen Straßenbauprojekt in die eigene Tasche erwirtschaftet. Es ist umso schmerzlicher zu wissen, dass die entlarvten Korruptionsfälle erstmals nur die Spitze des Eisberges sind!
Wenn das nicht so wäre, warum sind so viele Leute über Nacht reiche Menschen geworden? Bemerkenswert ist vor allem, dass Beamten mit ihren bescheidenen Gehältern aber über Villen, Autos verfügen und ein Leben wie König führen.
Armut und Reichtum in einer Gesellschaft ist unvermeidbar. Die Bürger des Landes wissen das und akzeptieren es auch, aber nur wenn jemand seinen Reichtum mit seiner Fähigkeit (oder manchmal mit Glück) und auf ehrlicher Art und Weise verschafft hat. Dann ist sein Reichtum vollkommen berechtigt und lobenswert.
Die Gesellschaft akzeptiert diese Form der Ungerechtigkeit nicht. Während manche im Reichtum schwimmen, sind andere bettelarm. Das ist die Bilanz eines labilen Regimes, wo der Verwaltung bei den Behörden einerseits schlecht arbeitet und die Korruption bei bestimmen Gesellschaftsgruppen Beschluss die Interessen unaufhaltbar ist. Das Volk erinnert sich zu gern an den Spruch von Onkel Ho von einst: „Wir fürchten uns nicht vor Knappheit, wohl aber vor Ungerechtigkeit“

"Transparenz: Nur heiße Luftblasen?"
Die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft und illegaler Reichtum mancher Menschen sind in erster Linie durch die weit verbreitete Korruption in unserem Land entstanden. Das ist gleichzeitig auch ein Barometer, um Temperatur der Korruptionskrankheit anzuzeigen. Mit diesem Barometer wird versucht, die zähe Korruptionskrankheit zu prognostizieren und zu heilen.
Die durch Korruption angeschafften Eigentume und unrechtmäßige Geldanlagen können nicht ewig unentdeckt bleiben. Früher oder später kommen Häuser, Grundstücke, Autos, Aktien und Einnahmen ans Tageslicht. Deshalb ist es notwendig, dass macht- und einflussreiche Menschen, reiche Geschäftsleute und später auch Menschen mit festem hohem Einkommen in der Gesellschaft ihre Eigentume offen legen müssen. Nur so können effizient gegen Korruption bekämpft werden. Das ist eine notwendige Maßnahme. Die Bevölkerung ist mit dem Beschluss über die „Erweiterung der Führungsmacht von der Partei in Sachen Korruptions- und Veruntreuungsbekämpfung“ des Zentralkomitees völlig einverstanden. Das Korruptionsbekämpfungsgesetz hat vor Kürze das Parlament passiert.

Die Menschen warten insbesondere gespannt auf den Beschluss "Transparenz" zum Offenlegen über Eigentum und Einnahmen von Politikern, welcher vom Ministerpräsident noch erlassen soll. Aber wann wird das passieren? Wollen die Partei und die Regierung diese Politik wirklich durchsetzen oder sind das wieder nur heiße Luftblasen? Ist sich der Ministerpräsident darüber in klaren, dass diese Beschluss die Interessen vieler einflussreichen, mächtigen und reichen Leute im Lande trifft?

Wir erwarten auf jeden Fall die Antwort des Ministerpräsidenten auf diese Frage in seiner aller ersten Begegnung mit den Bürgern per Internet, damit das getrübte Vertrauen der Jungendlichen in die Zukunft des Landes beseitigt wird und neue Hoffung für das Vaterland entsteht. Vor allem weniger Armut in der Bevölkerung!
Mộc Miên


Quelle: VietNamNet