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Der letzte Brief einer vietnamesischen Braut

TT – Die vietnamesische Braut Huỳnh Mai wurde 8 Tage nach ihrem Verschwinden im Keller ihres Mannes mit 18 Rippenbrüchen tot aufgefunden.
TT – Die vietnamesische Braut Huỳnh Mai wurde 8 Tage nach ihrem Verschwinden im Keller ihres Mannes mit 18 Rippenbrüchen tot aufgefunden. Der Bericht eines TV-Senders vom 09.08. über diesen Mord hat eine Schock- und Empörungswelle unter den süd-koreanischen Zuschauern ausgelöst.

Online-Zeitung http://www.ohmynews.com schilderte die Gefühle der 20 jährigen Huỳnh Mai aus Kiên Giang durch Zitate aus dem 5 seitenlangen Brief, der nur ein Tag vor ihrem Tod geschrieben wurde.

“Ich möchte lieb zu dir sein, warum interessierst dich das nicht?”
“Ich habe mir bisher sehr viel Mühe gegeben, eine gute Ehefrau und Mutter zu sei. Ich wünsche mir eine glückliche Familie. Ich möchte dir sehr viel erzählen. Wie andere Frauen möchte ich lieb zu meinem Mann sein. Aber das interessiert dich nicht! Ich wünsche mir eine glückliche Familie, und möchte eine gute Frau sein, aber dieser einfacher Traum hat sich nicht erfüllt” – ein Ausschnitt aus dem Brief von Huỳnh Mai, geschrieben am 25.06.2007.

Dieser Brief wurde in der Gemeinde Munhoa, Stadt Cheonan (Süd-Korea) vor ihrem Tod geschrieben und am 06. August veröffentlicht. Mit dem Satz “Ich möchte sehr viel dir erzählen und wie andere Frauen ich lieb zu meinem Mann sein“, geschrieben in ihrer Muttersprache, hat Mai ihre unterdrückten Gefühle aufgrund der Sprachbarriere zum Ausdruck gebracht.

Huỳnh Mai schrieb weiter: “Wenn ich nach Vietnam zurückkehren darf, würde ich dir alles verzeihen”. Nur zwei Monaten nach Ankunft in Süd-Korea wollte Huỳnh Mai wegen Konflikt mit ihrem Mann wieder zurück zu ihrer Familie sein. Was Mai nicht erahnen konnte, war, sie wurde nur einen Tag nach Verfassen des Briefes von ihrem Mann getötet. Acht Tage später wurde ihre Leiche mit 18 Rippenbrüchen entdeckt.

In ihrem 5 Seiten langen Brief schrieb Huỳnh Mai: “Ich bin sehr traurig über Dich. Da ich hier fremd und mit der Lebensart in Süd-Korea gar nicht vertraut bin, hättest du mich trösten sollen, stattdessen warst du des Öfteren sauer mit mir. Du weißt, dass wir in schwierigen Situationen immer miteinander sprechen müssen. Und als Mann müsstest du mich immer beschützen. Weißt du das? Ich wollte mit dir über meine Probleme sprechen. Aber du hast jedes Mal irgendwelche Sorgen im Gesicht, wenn du nach hause kommst. Obwohl ich viele Jahre jünger als du bin, aber wir sind jetzt Mann und Frau, wir müssen deshalb entsprechend miteinander umgehen”

"Wenn du Probleme hast, dann drohst du mir mit der Scheidung. Das geht aber nicht. In einer glücklichen Familie müssen wir immer über alles miteinander reden, egal ob über gut oder schlecht. Besonders in schwierigen Situationen. Nur so verstehen wir uns. Ich bin zwar um viele Jahre jünger als du, aber ich begreife es, dass wir liebevoll miteinander umgehen müssen. Das Eheleben besteht halt nicht nur aus guten Seiten sondern auch aus schlechten Seiten”, schrieb Mai.

Zuhause in Vietnam war Huỳnh Mai vor der Heirat als Arbeiterin in einer Fisch-, Holzverarbeitungsfabrik und als Landwirtin tätig. Mai schrieb: “In Vietnam habe ich sehr hart gearbeitet, trotzdem reichte das Geld für den Lebensunterhalt nicht aus. Ich hatte deshalb auch nichts zurücklegen können. Ich bin deshalb zu dir hierher gekommen, in der Hoffnung, du hast Verständnis für meine Situation”.

Dennoch schrieb Mai unten weiter: “Wenn ich aber ehrlich bin, möchte ich zurück nach Vietnam zu meiner Familie. Das ist mein Traum und ich hoffe, mein Traum wird sich erfüllen. Ich hoffe, dass du dann anständiger lebst. Wenn ich in wieder zuhause bin, werde ich wieder von vorne anfangen. Ich werde mich um meine Eltern kümmern”.

Wenn es eine Hilfeanlaufstelle gegeben hätte
Das Zentrum zur Unterstützung von Ausländern in Cheonan hat den Brief von Huỳnh Mai übersetzt und veröffentlicht. Dieses Zentrum teilte mit, Huỳnh Mai habe diesen Brief nur einen Tag vor ihrer Ermordung geschrieben und in einer Schublade aufbewahrt. Ihr Mann wusste deshalb nicht vor seiner Existenz. Der Reisepass von Mai wurde in einem Eimer zerrissen gefunden.

Leiter des Zentrums zur Unterstützung von Ausländern Herr Kim Ki Shu teilte mit: “Ausländische Bräute brauchen eine Hilfestelle, falls sie Ärger von ihrem Mann haben. Wenn so etwas gegeben hätte, wäre diese traurige Geschichte nicht passiert. In diesem Fall wäre es nicht zu diesem tragischen Zwischenfall gekommen, wenn Huỳnh Mai eine Beratungsstelle gehabt hätte”.

Herr Kim sagte, die Ehevermittlungsagentur hat sich vorher aufgelöst, so dass Huỳnh Mai, niemanden um Hilfe fragen konnte. Die Stadtbehörden lassen gerade eine Hilfeanlaufstelle mit Dolmetscher errichten. Aber für Frauen, die erst 2 Monate in dieser Stadt sind wie Mai, können unmöglich von einer solchen Hilfeanlaufstelle wissen.

“Eheleute mit großem Altersunterschied haben oft Verständigungsprobleme. Und wenn der Ehemann sich auch noch von seiner Frau scheiden will, dann ist das eine große Bedrohung für ausländische Bräute, weil sie absolut hilflos allein dastehen”, teilte Herr Kim mit.

Jangamuke, Ehemann von Huỳnh Mai, sagte nach der Festnahme am 05.08. in der Stadt Daecheon aus, Huỳnh Mai habe an diesem Tag die Rückkehr nach Vietnam gefordert. Aus Wut habe er sie getötet. Huỳnh Mai wurde 18.07. eingeäschert. Die Asche wird in Cheonan aufbewahrt.

Online-Zeitung Ohnynews berichtet, es gebe in vergangenen Jahren immer mehr gewalttätige Handlungen gegen Bräute aus Vietnam durch koreanische Ehemänner. Viele Frauen wurden zur Scheidung gezwungen und hilflos auf die Strasse gesetzt.

Vielleicht sollte das ein alarmierendes Signal sein für vietnamesische Mädchen, die koreanische Männer heiraten wollen.