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Schöne Straßen – schönes Tet – wütendes Volk

Vietnam ist weltweit bekannt für seinen Lärm und seine Unordnung. Dies macht seltsamerweise einen großen Teil an Charme des Landes aus. Altstädte ohne kleine Vorbauten mit riesigen Werbungen, auf den Gehsteigen hockende Teeverkäufer und Garküchen unter provisorischen Planen und Blechdächern sind einfach für Vietnam undenkbar. Dazu kommt die alles überwuchernde Werbung – alles ist zugepflastert damit. Keinesfalls entspricht das dem Ordnungssinn von Europäern. Deutsche würden ob des Durcheinanders einen Anfall von Wahnsinn bekommen. Aber hier ist das absolut lebensnotwendig, damit Familien überhaupt leben und überleben können. Keine Werbung, kein Sichtschutz oder Regenschutz bedeutet hier kein Geschäft.

Alle Jahre wieder packt die Kommunisten in ihren Amtsstuben der Ordnungswahn. Etwas, was einem Asiaten eigentlich vollkommen fremd ist. Offensichtlich bilden geschönte Bilder sozialistischer Stadtplanung die Vorlage, denn ausgerechnet zu dieser Zeit bilden sich die Herren und Damen dann ein, daß ganz Vietnam, alle Straßen, Plätze und Häuser, diesen weltfremden und geschönten Idealen entsprechen müssen. Also wird der Unordnung und dem Volk der Kampf angesagt. Etwa 1 Woche zuvor wird (immerhin) angeordnet, daß am Tag X „Ordnung“ geschaffen wird. Oft genug hat die verhaßte Obrigkeit schon Prügel bezogen und aus diesem Grund wird die Angelegenheit im Rudel mit schwerer Technik, reichlich Polizei, Polizeihelfern, Spitzeln und angeheuerten Hilfsarbeitern durchgezogen. Wer sich wehrt hat schlechte Karten. Sofort kommt der Bagger zum Einsatz. Damit die Herren der Obrigkeit auch für alle Widrigkeiten eventuell standhafter „Bauwerke“ vorbereitet sind, ist immer ein Wagen für den Abtransport von „illegalen“ Werbeschildern, ein Auto mit Schweißtechnik, ein Multifunktionsbagger und oft noch ein LKW mit dabei. Letzterer dient dazu, daß abgerissene abzutransportieren (wenn man nicht vehement! Einspruch dagegen einlegt). Dies wird anschließend sofort verkauft und dient der Finanzierung von Festen jeder Art der Obrigkeit. So wird das Tet (oder ein anderer Feiertag) oft kräftig mit zusätzlichem Geld bereichert. Eisen und Kabel sind teure Rohstoffe und die Schrotthändler freuen sich auf solche Tage! Der Schaden für die Betroffenen geht oft in den zweistelligen Millionenbereich! Besonders kurios – plötzlich stören auch 30 Jahre alte Bäume welche dann brutal abgehackt werden. Wochen später kommt so ein Polizeidepp vorbei und pflanzt genau an der Stelle einen neuen Baum! So als ob der neue Baum „sozialistischer“ ist. Wer sich körperlich gegen den plötzlichen Ordnungswahn wehrt, dem geht es sehr schlecht – erst die übliche Prügelei (unter oft hunderten Schaulustigen welche aber zu feige sind einzugreifen) und auf der Dienststelle geht es dann mit der hier bei allen Delikten üblichen Folter weiter. Was keiner mehr sieht; aber jedem wohlbekannt ist.

Die Zerstörung mit den vielen hundert Schaulustigen und dem immensen Aufgebot an Sicherheitskräften, ist natürlich ein „wunderbarer“ Anblick für Touristen, welche natürlich sofort den „besten“ Eindruck von Vietnam bekommen.

Kaum ist die Aktion „Saubere, schöne Straße für das Tet“ (oder einem anderen Feiertag) beendet, geht man wieder zur allgemeinen Unordnung über. Das zerstörte wird wieder hervorgeholt und alles wieder aufgebaut. Was dann die Obrigkeit bis zur nächsten Aktion natürlich wieder nicht stört. Vielmehr wartet man wieder ab bis alles wieder richtig zugebaut ist. Erst dann „lohnt“ sich ja wieder die Zerstörung um den Geldbeutel zu füllen. Witzig ist oftmals – genau den Polizeistellen gegenüber wird alles zerstört, danach wieder aufgebaut, die Polizei nutzt fleißig die „illegalen“ Teestuben und Garküchen-  und irgendwann wird es wieder mal „plattgemacht.“

Das ist Vietnam.

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