Do06132024

Letztes UpdateSa, 08 Jun 2024 8pm

Back Aktuelle Seite: Nachrichten Kolumne Nur der Wechsel des Regimes hilft!

Nur der Wechsel des Regimes hilft!

Nachdem ein Bekannter die Nachrichten über die Talfahrt der vietnamesischen Wirtschaft gelesen hat, erzählte er mir folgende Witze, die sich zurzeit in Hà Nội verbreiten. Demnach möchte sich ein Patient im Krankenhaus Việt Ðức ein neues Gehirn implantieren lassen. Der zuständige Arztspezialist empfiehlt ihm zunächst das Gehirn eines berühmten verstorbenen Wissenschaftlers.
Nachdem ein Bekannter die Nachrichten über die Talfahrt der vietnamesischen Wirtschaft gelesen hat, erzählte er mir folgende Witze, die sich zurzeit in Hà Nội verbreiten. Demnach möchte sich ein Patient im Krankenhaus Việt Ðức ein neues Gehirn implantieren lassen. Der zuständige Arztspezialist empfiehlt ihm zunächst das Gehirn eines berühmten verstorbenen Wissenschaftlers. Angehörige des Patienten lehnen dieses Gehirn jedoch ab, da es sich wegen des hohen Alters bereit gelblich verfärbt hat und die Falten auch nicht mehr geordnet aussehen. Man zweifelt an der Langlebigkeit des Gehirns. Möglicherweise lag es daran, dass der Wissenschaftler zu seiner Lebzeit sehr viel Forschung getrieben hat.

Der Facharzt empfiehlt ihm daraufhin das Gehirn eines jungen Geschäftsmanns, der gerade durch einen Verkehrsunfall ums Leben kam. Aber auch dieses lehnen Familienangehörige des Patienten ab, weil sie glauben, die linke Gehirnhälfte sei von den Kapitalisten zu sehr ausgebeutet worden und daher stark "ausgelastet". Es würde vielleicht einige Jahre nach produktivem Einsatz hohe Gewinne abwerfen, aber dann bald tief fallen, wie derzeitige Aktienkurs. Zum Schluß bringt das Krankenhaus ein frisch aussehendes Gehirn, bei dem die Falte noch sehr gut erhalten sind wie bei einem Jugendlichen. Der Patient freut sich und fragt: "Wem hat dieses Gehirn gehört?". "Es gehörte einem Wirtschaftsexperten an einer sehr berühmten Universität in den USA!", antwortet der Arzt.

Die Ehefrau des verstorbenen Wirtschaftsexperten fügt hinzu: "Mein Mann war weder korrupt, noch hinterlistig und hatte daher keiner Gruppierung angehört. Er hatte sein Gehirn demzufolge nicht viel anstrengen müssen. Er blieb daher bis zu seinem Tod arm und hinterließ seiner Frau und Kindern nichts weiter als sein Gehirn. Vor dem Tod hat er ausdrücklich gesagt, wenn die Inflation mehr als 25% beträgt, sollten wir sein Gehirn verkaufen, um Reis zu kaufen. Wegen der kaum Abnützung des Gehirns würden wir einen guten Preis dafür bekommen. Sein Gehirn ist nur deshalb so gut erhalten geblieben, weil er Berater für Wirtschaftsfragen im Zentralkomitee war und musste sich trotzdem um nichts kümmern. Da sowieso niemand von oben auf seinen Rat hören wollte, wozu sollte er also sein Gehirn anstrengen!”

Es häufen sich in letzter Zeit Beschwerden über die Inkompetenz der Mitarbeiter bei der Staatsbank (Zentralbank zuständig für die Finanzpolitik des Landes). Denn gute Leute gehen zu Privatbanken. Dort verdienen sie besser. Freie Marktwirtschaft ist halt eine Sache des Geldes. Man darf diesen Wirtschaftsexperten nicht die Geldgier vorwerfen! Denn gerade Leute, die sich zwar nicht für Geld interessieren, weil sie höhere Ziele im Leben haben, benötigen aber mentale Befriedigung. Zumindest wollen diese, dass Ergebnisse ihrer Forschung, bei der sie ihr Gehirn massiv angestrengt hatten, um irgendwelche Wirtschaftsvorschläge zu erarbeiten, diese auch angewendet werden! Aber in einem kommunistischen Regime bestimmt die Politik allein alles. Vorschläge könnten sehr gut sein, trotzdem gehören sie in die Schublade, weil sie den wirtschaftlichen Interessen der hohen Funktionäre nicht entsprechen. Und Leute, die solche Vorschläge gemacht haben, ernten manchemal sogar Ärger! Kein Wirtschaftsexperte würde sich daher in solchen Situationen sich anstrengen, wenn ihre Vorschläge am Ende sowieso in das Aktenarchiv landen! Wer würde schon in einem Staatsunternehmen arbeiten wollen, um sich von Geldern des Volkes zu bereichen?

Viele bekannte Wirtschaftsexperte wie die Herren Lê Ðăng Doanh, Nguyễn Thăng Long im Inland und Vũ Quang Việt, Nguyễn An Nguyên im Ausland hatten öffentlich vor einer Inflationsgefahr gewarnt und Vorschläge zur Stabilisierung der Makroökonomie gemacht, als es die ersten Anzeichen einer Inflation gegeben hat. Aber niemand wollte auf sie hören! Das Zentralkomitee war da zu sehr mit Themen wie Freispruch für Nguyễn Việt Tiến, Harmonie innerhalb der Partei, Nachfolger von Nông Ðức Mạnh, Bekämpfung von Journalisten, Sicherheit des Fackellaufs Olympia Peking 2008 beschäftigt! Als die hohen Herren eines Tages von der Wirklichkeit eingeholt wurden, ordneten sie das Generalinvestitionsunternehmen an, Aktien zu kaufen, um die am Rand des Bankrotts stehenden Kapitalisten aufgrund ihrer Verluste durch Investition im vietnamesischen Aktien zu retten.

Währenddessen ließ die Inflation nicht weiter auf sich warten. Die ersten 9 Monate von 2007 ist die Teuerungsrate um mehr als 7% gestiegen. Alarmsignale wurden geläutet, da hohe Auslandsinvestitionen nach WTO-Beitritt nach Vietnam flossen. Überschuß von Geldern führt zwangläufig zur Preisteuerung. Aber das kümmerte die hohen Herren von der Regierung eher wenig. Im Gegenteil, diese freuten sich über jeden Dollar, der in Richtung Vietnam rollte. Mit den überschüssigen Geldern machten Banken großzügige Kreditangebote an Staatsunternehmen. Staatsunternehmen sind aber wie Fässer ohne Boden. Sie haben Gelder geschluckt aber keine Ware oder Dienstleitungen produziert, und erhöhten damit die Gefahr der Inflationen. Gegen Jahresende betrug die Inflation 12%. Roter Alarm wurde erneut geläutet, aber die Regierung wusste keine Gegenmaßnahme! Im Januar 2008 stieg die Preisteuerung auf 14%, im April auf 21% und im Mai über 25%.

Der hohe Zuwachs von Auslandsinvestitionen plus großzügige Darlehen der Banken an Staatsunternehmen machten die Preise teurer. Die Zentralbank hat die Zinsen absichtlich nicht erhöht, weil sie den Staatsunternehmen, die Kredite immer benötigen, das Leben nicht schwer machen wollen. Zu Zeiten von Phan Văn Khải wurden "Generalunternehmen" nach dem Muster von "chaebol" in Süd-Korea gegründet. Aber die Beamten, die in solche "Generalunternehmen" als Direktor eingesetzt wurden, waren nicht kompetent wie die Süd-Koreaner. Zu Zeiten von Nguyễn Tấn Dũng geht man noch einen Schritt weiter und gründet "Unternehmensgruppen". Die Politik und die Wirtschaft bleiben nach wie vor fest in Händen der Parteifunktionäre und ihrer Engvertrauten. "Generalunternehmen" und "Unternehmensgruppen" dürften Kredite für ihre Projekte aufnehmen, wie sie benötigten, im Glauben, dass die Wirtschaft dadurch noch schneller wächst. Krediteaufnehmen war einfach, aber sie effizient einzusetzen ist gar nicht so leicht. Am Ende sitzen sie auf einem Schuldenberg. Aber auch das kümmerte niemanden, da sowohl Banken als auch Staatsbetriebe alle Kinder und Enkelkinder der "hohen Herren" sind! Nur die Bürger, die fleißig Steuern zahlen, machen sich Sorgen darüber. Aber Bürger in diesem Land haben bekanntlich nichts zu sagen!

Zur gleichen Zeit kaufte sich die Zentralbank den Dollar auf dem Markt. Das hat dazu geführt, dass ein Überschuß an Dong auf dem Markt herrschte. Angesicht dieser Situation hat die Regierung Gegenmaßnahme eingeleitet, indem sie die Banken zwingen, Staatswertpapiere zu kaufen, d.h. dem Staat Kredite zu günstigen Konditionen zu geben, um die Geldmenge im Umlauf zu reduzieren. Den Banken wurde dadurch auf einmal das Geld knapp, so dass sie zeitweise den Umtausch von Dollar in Dong abgelehnt haben. Aufgrund der steigenden Ölpreise auf dem Markt, erlaubte die Zentralbank einen flexiblen Wechselkurs, damit der Dong sich aufgewertet und von dem Dollar-Einfluss beim Ölimport abkoppelt. Als Folge dafür fangen Leute an, Dollar zu kaufen, weil sie der Stabilität des vietnamschen Dong misstrauen. Das arme Finanzsystem tanzt praktisch immer nach jeder Bewegungen des unsicheren Dirigentenstocks von Nguyễn Tấn Dũng.

Leute, die die Finanzpolitik des Regimes unterstützen, argumentieren, dass die ganze Welt derzeit unter Inflation leidet. Es sei deshalb völlig normal, wenn es auch in Vietnam Inflation herrscht. Das mag stimmen. Aber was unnormal ist, dass die Preisteuerung in Vietnam um 2 bis 3 Fach höher beträgt als in anderen Ländern Ost-Asiens. China, Indonesien hatten bei 9% Flation schon sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet. Sie haben trotzdem die Leitzinsen nicht erhöht, weil wirtschaftliche Aktivitäten der Betriebe dadurch beeinträchtigt würden, wenn diese Kredite aufnehmen müssen. Im Gegensatz zu ihnen passierte in Vietnam mehrere Unglücke zur gleichen Zeit. Die Inflation steigt dermassen schnell an, dass selbst Zinserhöhungen sie nicht einholen können. Banken sind momentan die Leidtragenden, da die Inflation 25% beträgt aber Kreditzinsen nur bei 15% liegen. Rote Zahlenschreiben in diesem Sektor ist somit unausweichlich!

Unternehmen bleiben angesichts der hohen Zinsen zurückhaltend, weil ihr Gewinn doppel so groß wie die Zinsen sein müsste. Leute, die dies trotzdem tun, müssen taub sein. Denn Taube haben bekanntlich "keine Angst vor Gewehr". Es sei denn es gibt todsichere Gewinnversprechungen! Früher hat man Kredite aufgenommen, um Immobilien, Aktien zu kaufen. Aber diese Märkte sind heute sogut wie ausgestorben. Die Arbeitnehmer trifft es am härtesten, weil ihre Löhne gegenüber die Preisteuerung fast unverändert geblieben sind. Die Mittelschicht hat ihr Lachen bereits verloren, als sie mit dem Halbkapitalismus durch den Aktienhandel anfing. Anfang dieser Woche wurde der Börsensplatz wegen "technsicher Probleme!" geschlossen. Niemand weiß genau, was los war, auf jeden Fall wurde der Aktienshandelsplatz für 4 Tage außer Gefecht gesetzt! Viele Menschen, die das neue Spiel namens Aktien kennengelernt haben, erleben jetzt schmerzliche Verluste, nachdem dieser 2/3 ihrer Werte verlor. Allein seit Jahresbeginn ist der Aktien um 55% gefallen. Am Ende machen nur die "Insider" durch Manipulationen gute Gewinne. Viele Festlandschinesen sind extra nach Vietnam gekommen, um Gewinne mit dem Aktienhandel zu machen. Diese "Genossen" waren überall in den Strassen zu sehen, als die Olympische Fackel 2008 durch Sàigòn getragen wurde!

Das US-Finanzberatungsunternehmen Morgan Stanley mußte kürzlich die Alarmglocke schlagen, da Regierung von Nguyễn Tấn Dũng mit ihrer Finanzpolitik die Banken in eine Krise führen würde. Zunächst würde Zahlungsunfähigkeit der Staatsbetriebe einen Vertrauensverlust verursachen. Bürger von Hà Nội stehen täglich in Schlangen vor den Wechselstuben in der Strasse Hà Trung, um den Dollar zu kaufen. Demzufolge stegt der Dollar. Der Aktienmarkt läuft nach 4 Tagen Unterbrechung wieder. Trotz des Aktienzukaufs durch den Staat mit den Geldern des Volkes, um den Inlandskapitalisten unter den Armen zu greifen, kann der freie Fall des Aktienkurses nicht gestoppt werden.

Der Staat fördert den Export. Trotzdem betrugen die Handelsdefizite im letzten Jahr 14 Milliarden US-Dollar. Mit 7 Millarden von Auslandsvietnamesen, 6 Millarden Direktinvestition von ausländischen Investoren und Entwicklungshilfen konnten die 14 Milliarden Verluste abgefangen werden. Die Handelsdefizite von diesem Jahr werden auf 25 Milliarden geschätzt. Das ist ungefähr die Häfte des Bruttosozialprodukts des Landes. Eine höhere Geldsendung durch Auslandsvietnamesen in diesem Jahr dürfte schwierig sein. Auch mit einer höheren Auslandsinvestition darf man angesicht der bedrohlichen Wirtschaftslage nicht rechnen. Kein anderes Land in der Gegend hat es derzeit so schwer wie Vietnam!

Wenn die KPV eine neue Regierung und einen neuen Generalsekretär an die Macht setzen würde, würde sie die aussichtslose Wirtschaftkrise trotzdem nicht retten können. Letzten Freitag standen Minister für Planung und Investition Võ Hồng Phúc, Minister für Finanzen Vũ Văn Ninh, Direktor der Zentralbank Nguyễn Văn Giầu vor dem Parlament für Rede und Antwort. Alle wiesen die Schuld von sich ab und Herr Phúc schiebt sogar Nguyễn Tấn Dũng die Schuld zu, weil dieser nicht auf die Alarmsignale reagiert hat! Nur Herr Trần Du Lịch, Leiter des Wirtschaftsinstituts, zeigte Verständnis für die drei hohe Beamte der Regierung. Herr Trần Du Lịch bestätigt, dass Ursache für die derzeitigen Wirtschaftskrise auf das "Wirtschaftsregime" zurückzuführen sei, von dem die Finanzkrise eine direkte Folge ist.

Nun, wie kann dieses Regime gewechselt werden? Als erstes müßte das Machtmonopol der KPV, mit dessen Hilfe die "hohen Herren" Verbesserungsvorschläge von Wirtschaftsexperten bisher immer abgeblockt haben, abgeschafft werden. Denn solange die Führung dieser veralteten Politikpartei sich weiter an der Macht klammert, um sich zu bereichen, kann niemand vorhersagen, ob die Krise nach Änderung zur echten Marktwirtschaft sich aus dem Sumpf befreien kann.

Ngô Nhân Dụng


Quelle: www.nguoi-viet.com