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Es ist (bald) wieder Feiertag

Feiertage - Grund genug für die „Ordnungshüter“ wieder einmal für „echte Ordnung“ im Lande zu sorgen, welche in erster Linie aber nur das Gewerbe betrifft. Dort liegt das meiste Geld. Zudem ist dieses Streßfrei zu verdienen und birgt keine Gefahr für Leib und Leben, wie zum Beispiel der Kampf gegen die alles durchdringende Mafia und Drogen. Normal kann man fast die Uhr danach stellen – etwa 4 Wochen vor dem Feiertag X heckt die Polizei Pläne aus, wo man mit welchen Mitteln am schnellsten das meiste Geld machen kann. Am einfachsten funktioniert dies im Hotelgewerbe; dem größten „Sündenpfuhl“ des Landes. Welchen übrigens 99,95% aller Männer nutzen…

Hotelbetreiber haben es wirklich nicht leicht. Allein die vielen und sich ständig ändernden Gesetze sind kaum zu überschauen. Häufig ändern sich diese im „Takt“ von nur wenigen Monaten. Meistens werden diese nicht veröffentlicht und hinterliegen nur bei der Polizei. Allein die aufwendige Prozedur der Anmeldung bis ein Gast überhaupt ein Zimmer nutzen kann, hat es in sich. Beim einchecken muß der Ausweis des Gastes für die Dauer des Aufenthaltes hinterlegt werden. Kopien sind verboten, wodurch nun Seitens des Hotels alle Daten des Ausweises akribisch genau abgeschrieben werden müssen; Name, Geburtsdatum, komplette Adresse und Ausweisnummer. Hinzu kommt die Zimmernummer, Uhrzeit des Eincheckens und Uhrzeit des Auscheckens. Ist der Gast in Begleitung, müssen auch dessen Daten aufgenommen werden. Nebenbei muß auch der Gast so ein Anmeldeformular ausfüllen. Nur nicht ganz so umfangreich. Damit aber noch lange nicht genug. Abends von 21-23 Uhr, so das Gesetz, ist es die Pflicht des Hotelbetreibers zur zuständigen Polizeistation zu fahren, wo die Daten des jeweiligen Tages handschriftlich (Kopien sind verboten!) in ein weiteres Buch übertragen werden. Penibel prüft der verantwortliche Polizist die Einträge von Buch A zu Buch B, stempelt Buch B ab und Hotelier wie Polizist unterschreiben dessen Richtigkeit. Buch B, die handschriftliche Kopie mit den hübsch roten Kommunistenstempeln, bleibt bei der Polizei. Oft dauert dieses Prozedere des Abschreibens eine Stunde und länger. Begründet wird der Abschreibehorror und Kontrollwahn damit, um Verbrecher besser fangen zu können. Wobei sich wohl nur äußerst dämliche Verbrecher mit echten Daten und Ausweisen anmelden…

Aber durch all diese Maßnahme ist die Polizei ständig im Bilde über die Besucherfrequenz, die Einnahmen des Hotels und vor allem über - „wer macht es mit wem.“ Nicht selten werden sich bestimmte Namen „herausgepickt“ und man schaut sehr genau nach, ob der Gast X immer mit der gleichen weiblichen Begleitung kommt. Wehe wenn nicht - schon hat der Hotelier den ersten (teuren) Streß am Hals! Denn das könnte ja schon „Förderung der Prostitution“ sein. Logischerweise nutzt die Polizei diese Daten auch, um Kollegen und deren „Kopulationsfrequenz“ zu ermitteln. Hervorragend z.B. dazu geeignet, um bei Problemen diesen dann familiär unter Druck zu setzen…

Kommt, z.B. wegen starken Regens, der Hotelier nicht pünktlich zur Anmeldung, klingelt meist gegen 23 Uhr das Telefon und die Polizei fragt nach. Dies ist die gute Variante. Funktioniert aber nur, wenn man regelmäßig den Kontakt zur Polizei mit „Aufmerksamkeiten“ pflegt. Normal hämmert es gegen, oder lange nach Mitternacht an der Tür, und die „Ordnungshüter“ stellen blitzartig mit oft roher Gewalt das ganze Haus auf den Kopf. Nicht selten, das gleich mal 8-12 „Grüne“ so eine Aktion durchziehen. Diese „Kontrolle“ schaut dann so aus. Jeder Gast wird aus dem Zimmer geholt und peinlich genau überprüft. Selbstverständlich wiederfährt seiner Begleitung das gleiche. Treuherzig wird mit süffisantem grinsen gefragt, was man denn so zusammen im Zimmer macht, denn Prostitution sei schließlich verboten. Abseits der Städte, in den ländlichen Gebieten, treiben es die „Ordnungshüter“ gern noch mehr auf die Spitze. Barsch wird von den Gästen die Eheurkunde im Original (!) verlangt. Kann diese Urkunde nicht vorgelegt werden, setzt es bei verbaler Gegenwehr des Gastes nicht selten erst einmal Handschellen um die „Kraft des Gesetzes“ zu demonstrieren. Zwar gibt es dieses Gesetz nicht, aber der Schock wirkt fast immer. Normal fliegen danach die Geldscheine zum „Freikauf“ nur so über die Tischen. Wer möchte schon, daß die Ehefrau und Familie von dem amourösen Abenteuer erfährt? Während die restlichen Polizisten die Zimmer nach „Beweismaterial“ durchsuchen, Kondome gehören dazu, beginnen in der Rezeption schon lautstark die „Verhandlungen“ über das „Strafmaß“ und den daraus resultierende Geldbetrag. Wer so dumm sein sollte eine Quittung zu verlangen, hat sich mächtig ins Fleisch geschnitten. Schlagartig fällt die Strafe dann noch viel höher aus und die Familie erfährt in jedem Falle davon. Nur zu gern wird vom Hotelbetreiber bei solchen Aktionen gleich die Genehmigung mit eingezogen, was einem Berufsverbot bis zur“ Klärung des Sachverhaltes“ gleichkommt. Dessen Klärung kann übrigens Wochen bis Monate dauern, wobei die Preise „zur Klärung“ dabei steigen…

Nicht wenige Hotels machen es sich einfacher. Monatlich werden teils horrende Summen an die Polizei gezahlt. Diese Hotels verfügen danach „ganz legal“ und unter polizeilicher Kontrolle über die Lizenz zur Prostitution. Nicht selten „pflegen“ diese Hotels eine ganze Gruppe von Prostituierten im Haus. Selbstverständlich nutzen dann die Polizisten „auf Kosten des Hauses“ gern das Angebot der Mädchen, denn auch „Schäferstündchen“ erhalten die Freundschaft. Gar nicht so selten, meist sehr gut getarnt, entstehen im Laufe der Zeit „innige Freundschaften“ zwischen den Hoteliers und der Polizei. Alles was laut Gesetz verboten ist, ist plötzlich legal. Unter anderem spielt man zu nächtlicher Stunde im Hinterzimmer gemeinsam Karten, betreibt illegale Glücksspiele und Fußballwetten und, was für den Hotelbetreiber ganz wichtig ist – sie werden vorgewarnt, wenn eine andere Polizeieinheit eine Kontrolle durchführt.

Ausländer sollten nicht zu arglos sein und auf ihren Status als Ausländer vertrauen. Für sie existiert ein besonderes Anmeldebuch. Dort werden, wie bei Vietnamesen auch, erst einmal alle Daten erfaßt. Immer wird der Paß kopiert und normalerweise bis zur Abreise auch einbehalten. Angeblich um Zechprellerei zu verhindern. Dabei ist es für Ausländer gesetzliche Pflicht, den Paß ständig bei sich zu tragen! Automatisch macht sich der Ausländer also strafbar, wenn er den Paß im Hotel zurückläßt. So ohne weiteres rücken die meisten Hotels den Paß nicht mehr heraus, oder geben sich mit der Kopie zufrieden, welche sie ja ohnehin schon haben. Bislang habe ich noch kein Hotel für Ausländer erlebt, wo man nicht problemlos auf nächtliche „Entspannungsangebote“ zurückgreifen kann. Hierbei erfaßt die Polizei natürlich auch die Daten der Mädchen und können diese mühelos jederzeit unter Druck setzen, oder, etwa bei „unbotmäßigem Verhalten“, sofort in ein „Umerziehungslager“ stecken. Nebenbei hat die Staatsmacht noch ein Bewegungsprofil von dem Ausländer mit seinen (auch sexuellen) Vorlieben, und gleiches natürlich von dem Mädchen und dessen „Spezialitäten“ in der Horizontalen. Einige Internetseiten ausländischer Vertretungen warnen schon vor Sex in Vietnam. Vermehrt häufen sich Fälle, wo nächtliche Schäferstündchen umgerechnet bis zu 10 Millionen Dong (etwa 400 Euro) Strafe kosten können. Selbst Ehepaare (Ausländer mit vietnamesischen Frauen) wurden schon irrtümlich Opfer der Polizei, indem die Ehefrau als Prostituierte verdächtigt und aus dem Bett gezerrt wurde. Peinlich, peinlich…

Hotels mit Angebote dieser Art zahlen können „Dank“ der „Schutzgebühr“ in der Regel ungestört arbeiten. Zumindest eine gewisse Zeit. Bis eben wieder mal kurz vor einem Feiertag zur „Aufrechterhaltung der sozialistischen Ordnung und Moral“ ein Befehl von ganz oben kommt, wo die Polizei zum handeln gezwungen wird. Gnadenlos werden dann eben die Hotels geopfert, welche die geringste „Schutzgebühr“ zahlen. Danach, sofern nicht ausreichend „Freikaufgeld“ gezahlt wurde, folgt ein hübscher Schauprozeß, eine Urkunde für die Polizei, eventuell sogar eine kleine Prämie und alles beginnt wieder von vorn. Unmengen von Gesetzen in Vietnam sind absoluter Nonsens, oder begünstigen erst die Kriminalität, Prostitution und Korruption. Angewidert wenden sich Ausländer ab nachdem sie selbst Zeugen des hemmungslosen „Ordnungsschaffens“ der Polizei geworden sind. Als Vietnamese muß ich mich schämen. Für mein Land, dessen Regierung und die Polizei.

„Niemals,“ so sagte vor Jahren einmal ein ranghoher Polizist, „wird es in Vietnam so werden wie in Bangkok.“ Stimmt – Vietnam hat Bangkok schon lange überholt mit einer fast schon terroristisch zu nennenden Prostitution, welche Millionen Dollar nebenbei in die Taschen der Polizei scheffelt.