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Ein Erfahrungsbericht zur Tagung: Brückenschlag – Begegnung der Generationen

Als ich von Dr. Dương Hồng-Ân die Einladung zu der Tagung für junge Deutsch-Vietnamesen Brückenschlag – Begegnung der Generationen erhalten habe, war ich von dem Vorhaben hellauf begeistert, die in zweiter Generation in Deutschland lebenden Vietnamesen für gesellschaftliche und kulturelle Problematiken, die aktuell in Vietnam herrschen, zu sensibilisieren.

 

 

Als ich von Dr. Dương Hồng-Ân die Einladung zu der Tagung für junge Deutsch-Vietnamesen Brückenschlag – Begegnung der Generationen erhalten habe, war ich von dem Vorhaben hellauf begeistert, die in zweiter Generation in Deutschland lebenden Vietnamesen für gesellschaftliche und kulturelle Problematiken, die aktuell in Vietnam herrschen, zu sensibilisieren. Gerade als Mischling – halb deutsch, halb vietnamesisch – hatte ich mir eine ähnliche Veranstaltung schon lange gewünscht. Mit entsprechenden Erwartungen fuhr ich also vom 16. bis 18. September 2011 in das nördlich von Frankfurt gelegene Jugendzentrum Ronneburg.

Nach Ankunft am Tagungsort und dem Abendessen begann die Veranstaltung mit einer Einführung durch Dr. Rupert Neudeck, dem Initiator der Rettung von vietnamesischen Boat People durch das Schiff Cap Anamur. Er erläuterte seine Beweggründe, Menschen in Not helfen zu wollen und stellte seinen Verein Grünhelme e.V. sowie einige seiner weltweiten Hilfsprojekte vor. Nach anschließender Diskussionsrunde hatten die Teilnehmer, die aus Deutsch-Vietnamesen der ersten als auch der zweiten Generation bestanden, die Gelegenheit, sich in lockerer Runde zu beschnuppern und kennenzulernen.

Gleich nach dem Frühstück wurde am Samstag das Programm fortgeführt. Dr. Neudeck hatte das Bedürfnis, die Teilnehmer kurz kennenzulernen, so dass sich jeder der Teilnehmer mit ein bis zwei Sätzen vorstellen durfte. Im weiteren Verlauf stellte Dr. Neudeck nach einer kurzen Einführung zur Veranstaltung das Buch A Thousand Tears Falling. The True Story of a Vietnamese Family Torn Apart by War, Communism, and the CIA von Yung Krall vor. Daraufhin folgte ein Vortrag von Dr. Dương, der den jungen Deutsch-Vietnamesen einige Fakten über Vietnam präsentierte und sich mit deren Situation in der deutschen Gesellschaft auseinandersetzte. Diesem sowie allen anderen Vorträgen folgten jeweils angeregte Diskussionen, die dazu führten, dass die Themen noch weiter vertieft werden konnten.

Dr. Jörg Wischermann, Politikwissenschaftler mit Forschungsschwerpunkt Zivilgesellschaftliches Handeln und Governance in Vietnam, vervollständigte das Vormittagsprogramm mit einem Vortrag über die Probleme, die sich beim wissenschaftlichen Arbeiten in Vietnam, mit vietnamesischen Kollegen und Behörden ergeben. Nach dem Mittagessen berichtete Dr. Wischermann über die Autokratie in Vietnam und deren Stabilität. Dabei zeigte er auf, wie das politische System in Vietnam funktioniert und welche Möglichkeiten sich den Vietnamesen innerhalb dieser Autokratie bieten.

Der letzte Vortrag des Tages wurde von Lâm Đăng-Châu beigesteuert, in dem er die aktuelle Integrationsdebatte in Deutschland aufgriff und an den Deutsch-Vietnamesen exemplarisch darstellte. Leider muss ich eingestehen, dass zu der fortgeschrittenen Zeit und der ungemeinen Menge an Input meine Konzentrationsfähigkeit zu diesem Zeitpunkt zu wünschen übrig ließ, so dass ich hier keine genauen Einzelheiten mehr zu dem Vortrag nennen kann. An dieser Stelle sei nochmals auf die Kritik hingewiesen, dass ein Handout zu den jeweiligen Vorträgen wünschenswert gewesen wäre, um sich die einzelnen Themen im Nachhinein noch mal vor Augen halten zu können.

Der weitere Nachmittag stand den Teilnehmern zur freien Verfügung. Hier machte sich die Wahl des Tagungsorts bezahlt. Es stand neben einem Beachvolleyballfeld auch eine Sporthalle zum Fußball und Tischtennis spielen zur Verfügung, ebenso konnte die Schwimmhalle von den Teilnehmern genutzt werden. Einige Teilnehmer nutzen auch die Gelegenheit, um zu der nahe gelegenen Ronneburg zu wandern. Abgerundet wurde der Abend durch ein Barbecue und ein Abendprogramm, dass durch die
Teilnehmer spontan gestaltet wurde. Hier zeigte sich, wie flexibel und spontan die Deutsch-Vietnamesen sind. So gab es neben einem Poetry-Slam-Vortrag, Breakdance und Kung-Fu zu bestaunen sowie einige Gesangseinlagen und Comedy. Die erste und die zweite Generation beteiligten sich bei der Abendgestaltung bemerkenswerterweise gleichermaßen. Gemeinsam, aufgeteilt in zwei Gruppen, wurde Extreme Activity gespielt, was für eine ausgelassene Stimmung sorgte. Der Abend klang spät in der Nacht aus und bescherte dem einen oder anderen Teilnehmer eine kurzweilige Nacht mit wenig Schlaf.

Zum Abschluss der Veranstaltung hielt Vũ Quốc-Dụng, Generalsekretär der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), einen interessanten Vortrag über die Menschenrechtssituation in Vietnam. Dabei zeigte er gravierende Defizite im Umgang mit Menschenrechten in Vietnam auf und verdeutlichte dies an einigen Einzelschicksalen.
Bevor man sich nach dem Mittagessen verabschiedete und die Heimreise antrat, wurde in Gruppenarbeit ein Resümee erarbeitet. Hier waren die Deutsch-Vietnamesen der zweiten Generation gefragt, denn diese sollen bei einer möglichen weiteren Tagung maßgeblich an deren Konzeption beteiligt werden. So konnte neben Lob selbstverständlich auch Kritik geäußert werden und es wurde deutlich, welche inhaltlichen Bedürfnisse sich die jungen Deutsch-Vietnamesen für weitere Veranstaltung dieser Art wünschen.

Im Großen und Ganzen war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt und dennoch besteht meinerseits das Interesse, weitere Veranstaltungen zu besuchen und neue Themenstellungen zu behandeln. Die Stimmung war von der ersten Minute an sehr gut und es fiel mir, der außer den Eheleuten Duong niemanden kannte, leicht, mit den anderen Teilnehmern in Kontakt zu treten. Es ist also jedem Interessierten anzuraten, an einer der zukünftigen Tagungen, die hoffentlich stattfinden werden, teilzunehmen – auch wenn er unter Umständen als Einzelperson anreist, weil ihm vielleicht der Anschluss an die vietnamesische Community fehlt.

Was ich mir persönlich für weitere Tagungen wünsche, ist, dass die jungen Deutsch-Vietnamesen ihre Scheu überwinden und sich bereitwilliger an den Diskussionen beteiligen. Jede Meinung ist wichtig! Außerdem wünsche ich mir, dass auch Deutsch-Vietnamesen aus den ostdeutschen Bundesländern teilnehmen, denn sie sind auch ein wichtiger Teil innerhalb der deutsch-vietnamesischen Bevölkerungsgruppe. Wir kommen aus dem gleichen Land, wir leben im gleichen Land und egal, welche Diskrepanzen es in der Vergangenheit gegeben haben mag, es wird Zeit, zwischen Ost und West eine Brücke zu schlagen.

 

La Hồng Đăng-Stefan

 

 

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