Sa09262020

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Buchprojekt Demo Geschichte

Ein Auszug aus "Die Geschichte von Tuyết Đinh":

...... Da wir insgesamt sechs Kinder sind, setzte mein Vater meinen Bruder und mich, weil wir die ältesten sind, in den Kutter und legte unser Schicksal in Gottes Hände. Meine anderen drei Schwestern und mein jüngerer Bruder mussten mit meinen Eltern zurückbleiben. Meinem   Bruder war damals nicht bewusst, in welcher Situation wir uns befanden und ist aus lauter Neugierde mitgefahren. Wir saßen mit hundert anderen Menschen auf dem Kutter. Es war heiß, stickig und eng zwischen den Menschen. Wir konnten uns nicht frei bewegen und durften auch nicht an Deck, da uns die Kommunisten sonst entdecken und zurückbringen könnten. Auf hoher See durften einige an Deck, doch die Wellen waren hoch und der Kutter begann zu schaukeln und zu wiegen, weshalb viele seekrank wurden, nichts mehr zu sich nehmen konnten und sich ununterbrochen übergeben haben. Das Essen wurde immer knapper und unsere Zungen schrieen vor Durst. Wenn der Fischer mal ein Glas hinunterbrachte, zerrten alle gleichzeitig daran und verschütteten all das kostbare Wasser. Irgendwann bekam doch jeder etwas Wasser, auch mein Bruder und ich. Nun wurde ihm erst klar, wie ernst die Situation wirklich war und er wollte nur noch zurück zu Mutter und Vater. Der Durst wollte einfach nicht aufhören und der Gestank nach Erbrochenem und Ausgeschiedenem wurde immer unerträglicher. Am Abend als die Lage begann, ruhig zu werden, weckte uns ein Schrei vom Deck. Der Fischer kam herunter und sagte, es würden uns Piraten verfolgen, die auf einem Kutter anderer Flüchtlinge sind, die sie höchstwahrscheinlich schon alle ausgeraubt und getötet haben. Er verteilte Motoröl, mit dem wir uns einschmieren sollten, damit die Piraten uns Frauen nicht von den Männern unterscheiden konnten, um sich nicht an uns zu vergehen. Panik und Hysterie breitete sich unter uns aus und Frauen begannen zu schreien, zu weinen und zu Gott zu beten........

Danke Bích-Thu Đinh für die Einsendung