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Brief vom Hochehrwürdigen Thich Quang Do an Rafto

Vereinigte Buddhistische Kirche Vietnams
HÓA ÐẠO Institut

Zen-Buddhistisches Institut Thanh Minh
90 Trần Huy Liệu - Gemeinde 15
Bezirk Phú Nhuận - Hồ Chí Minh Stadt

Buddhistischer Kalender 2550 Nr. /VHÐ/VT
Saigon, den 1.10.2006

Sehr geehrter Herr Arne Liljjedahn Lynngård
Vorsitzender des Gründungskomitee Rafto
(Bitte um Weiterleitung durch das Informationsbüro des Infternationalen Buddhistmus in Paris)

Sehr verehrter Herr Vorsitzende,

Ich schreibe Ihnen heute diesen Brief mit dem herzlichsten und tiefsten Dank dafür, dass Sie mich für den RAFTO Preis 2006 -zum Andenken an Herrn Prof. Thorold Rafto- für die jenigen Menschen, die sich für die Menschenrechte engagierten, ausgewählt haben. Ich bitte um Verzeihung für die verspätete Rückantwort. Herr Võ Văn Ái, der Sprecher unserer Vereinigten Buddhistischen Kirche Vietnams gab mir die Nachricht schon am 23.09.2006 bekannt. Leider hat sich unser Patriarch Thich Huyen Quang in dieser Zeit in Provinz Bình Định, wo er seit vielen Jahren unter Hausarrest gehalten wird, sehr schwer erkrankt. Ich hatte mir große Sorgen gemacht und habe mich deshalb um die Möglichkeit bemüht, ihn für eine medizinische Behandlung nach Saigon zu holen. Ich freue mich, Ihnen heute mitteilen zu können, dass unser Patriarch sich zurzeit in einem Privatkrankenhaus in Saigon-Stadt mit sehr guter ärztlicher Behandlung aufhält und Besuch von vielen Buddhisten bekommt. Obwohl der körperliche Zustand des Patrarchen noch schwach ist, bleibt sein Geist noch bei voller Inteligenz und beginnt sich langsam zu rehabilitieren.
Für mich persönlich kam der Rafto-Preis sehr überraschend. Das ist für mich eine Ehre, an die ich nie im Leben gedacht oder davon geträumt hatte. Ich war aufrichtig gerührt, als ich die Nachricht von dem Buddhist Võ Văn Ái erfuhr, wonach das Gründungskomitee mich ausgewählt hat als "Symbol für die zurzeit überall im Lande entbrannte Demokratiebewegung ", und durch mich Sie "Ihre Unterstützung für alle Vietnamesen im friedlichen Kampf zur Demokratisierung des Landes zum Ausdruck bringen wollen ".
Als Buddhistischer Mönch ziele ich keine Vorteile oder Ruhm für mich. Nur ich bin von der Demokratiebewegung in Vietnam fest überzeugt, und möchte mein Leben für dieses Projekt opfern, in dem alle Vietnamesen von allen Glaubens- und Politikrichtungen vereinigt werden sollten, um gemeinsam die Demokratiebewegung voranzutreiben. Mich zu ehren ist wie „mehr Kräfte bündeln“ haben Sie meine tiefste Absicht erkannt. Dieses Verständnis hat mir nicht nur die Ehre sondern auch die Aufbruchstimmung und die Förderung gebracht. Sie vertrauen mir diesen friedlichen aber langwährigen Kampf an. Ich werde ihn unermüdlich bis zur Vollendung bringen. Das ist eine große Bedeutung für mich, alle Vietnamesen und politisch Andersdenkenden, die sich für die Menschenrechte einsetzen, dass die Rafto-Stiftung existiert, und dass Sie sich Sorgen um uns machen, sowie bereit sind, unsere Stimmen weiterzuleiten. Rafto-Stiftung hat uns somit gerade ein wertvolles Geschenk gemacht. Ein Geschenk, das die kommunistische Regierung ihrem Volk nicht bringen kann - ein Geschenk der Brüderlichkeit und des Verständnisses. Ich bin zutiefst gerührt von Ihrer Tat. Und diese Tat werde ich für immer in meinem Gedanken behalten.
Ich bedauere zutiefst, Ihnen heute mitteilen zu müssen, dass ich doch nicht nach Norwegen kommen werde, um den Preis in der ersten Novemberwoche entgegen zu nehmen. Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, und meine Nichtanwesenheit nicht mit einer Nachlässigkeit oder einem Vertrauensbruch zu bewerten. Im Gegenteil möchte ich sehr gern in die Stadt Bergen kommen, um mich persönlich bei der Rafto-Stiftung für ihr Bekümmern um das vietnamesische Volk zu bedanken. Meine jetzige Lage ist sehr schwierig. Wie Sie wissen, ich stehe immer noch unter Hausarrest, obwohl es gar kein Gerichtsurteil gegen mich gibt. Zudem stehe ich an 2. Stelle in der Vereinigten Buddhistischen Kirche Vietnams, eine Glaubensgemeinschaft, die von der vietnamesischen Regierung verboten ist. Aus beiden Gründen bin ich in den Augen der kommunistischen Regierung von Vietnam ein illegaler Bürger. Die können mich jederzeit verhaften.
Aufgrund von Druck der Internationalen Gemeinschaft sowie von Ihrer Regierung, und um das Vertrauen anlässlich der bevorstehenden APEC Konferenz im kommenden November in Hanoi zu gewinnen, würde die Regierung mich vielleicht ausreisen lassen. Aber wenn ich einmal in Norwegen bin, bin ich mir nicht sicher, ob sie mich wieder nach Vietnam einreisen lassen? Ich möchte niemals in einem Gastland festsitzen, wo ich meinem Volk in schwierigen Stunden nicht beistehen könnte, und um ihnen zu helfen. Die Vereinigte Buddhistische Kirche Vietnams und ich sind in den Augen der kommunistische Regierung von Vietnam ein Dorn, das sie unbedingt entfernen will. In den vergangenen 31 Jahren hat diese Regierung mit vielen Mitteln von Lügen, Verdrängung bis hin zur Gewaltanwendung versucht, die Vereinigte Buddhistische Kirche daran zu hindern, öffentlich über Reformen in Sachen Demokratie und Menschenrechte zu fordern. Wenn es der kommunistischen Regierung von Vietnam gelingt, mich von der Bewegung der Vereinigten Buddhistischen Kirche für Demokratie und Menschenrechte zu isolieren, dann ist das eine eintausend Kilo Last, die die sozialistische Regierung ablassen kann. Ich kann dieses Risiko nicht eingehen. Mein Platz ist meine Heimat Vietnam mit meinem Volk. Ich werde solange bei meinem Volk bleiben, bis Vietnam die Freiheit gelangt.
Ich muss ehrlich sagen, ich habe kein Vertrauen in diesem kommunistischen Regime. Im Jahr 1968, während des Krieges, wurde auf Vorschlag der kommunistischen Regierung Nord-Vietnams ein Waffenstillstandabkommen mit der Armee der Republik Süd-Vietnam vereinbart, damit alle das Neujahrfest (Tet) in Frieden feiern können. Dann haben die Kommunisten im Norden ihr Tet-Fest früher gefeiert, um ihr Offensiv zum Neujahr (Jahr des Affen) starten zu können. Mit diesem Bruch des Waffenstillstands haben sie der Bevölkerung unzählige Zerstörungen und unendliches Leiden herbeigeführt. Im Jahr 1973 wurde das Pariser Friedenabkommen zur Beendigung des Krieges mit vielen Punkten, u. a. auch das Verbot von Rachenehmen zwischen Kriegbeteiligten, unterzeichnet, womit eine Volksaussöhnung hergestellt werden sollte. Aber nur zwei Jahre später haben die Soldaten der nordvietnamesischen Armee die Stadt Saigon mit Gewalt erobert. Wenn eine Regierung ihre internationalen Verpflichtungen gegenüber den Großmächten schon verletzt, was hat ein Versprechen gegenüber einer Person wie mir schon für eine Bedeutung? Deshalb, selbst wenn sie mir erlauben, nach Norwegen zu reisen, habe ich trotzdem meine Sorgen.
Jedoch, wenn die Regierung von Vietnam ihren guten Willen zeigen will und erklären würde, dass die Vereinigte Buddhistsiche Kirche Vietnams ihre Aktivitäten wieder aufnehmen darf, und die Religionsfreiheit noch vor der Rafto-Preisverleihung im kommenden November garantiert, und auch die Zusage für meine Ausreise und Rückkehr nach Vietnam macht, werde ich meine Entscheidung noch mal überdenken. Andernfalls würde ich den internationalen Sprecher unserer Glaubensgemeinschaft Buddhist Võ Văn Ái bitten, für mich den Rafto-Preis 2006 in Empfang zu nehmen.
Ich hoffe, dass ich eines Tages, wenn die Vereinigte Buddhistische Kirche Vietnams sein Recht für die Wiederaufnahme ihrer Aktivitäten bekommt und alle ihre Führungskräfte wieder freigelassen sind, nach Bergen kommen werde, um Sie und die Rafto-Stiftung zu besuchen.

Hochachtungsvoll,

Leiter des Hóa Đạo Instituts der Vereinigten Buddhistischen Kirche Vietnams
(gezeichnet)
Zen-Buddhist Thích Quảng Độ


Originaltext
siehe auch
Norwegischer Preis fördert Menschenrechte