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Vietnamesen in Israel
- Veröffentlicht am 21. Dezember 2011
- Eingereicht von Bao Tian
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Wenn wir an Israel denken, dann haben wir meistens nur Themen wie Religion, Konflikte und politische Krisen in unseren Gedanken. Kaum jemand würde vermuten, dass auch Israel eine vietnamesische Diaspora besitzt.
Wenn wir an Israel denken, dann haben wir meistens nur Themen, wie Religion, Konflikte und politische Krisen in unseren Gedanken. Kaum jemand würde vermuten, dass auch Israel eine vietnamesische Diaspora besitzt.
Wie kam es dazu?
Anders als in einigen arabischen Staaten, die kleine Gruppen vietnamesische Vertragsarbeiter Ende der neunziger Jahre bis in die heutige Zeit befristet aufgenommen haben, leben in Israel die „Boatpeople“, die nach der Machtergreifung der Kommunisten zu hunderttausenden aus Vietnam flüchteten.
1977 stieß ein israelischer Frachter, der auf den weg nach Japan war, auf ein löchriges Boot mit 66 Männern, Frauen und Kindern an Bord. Andere vorbeifahrende Schiffe hatten die SOS-Signale der halbverhungerten und fast verdursteten Schiffbrüchigen ignoriert.
Der Frachter nahm die Menschen an Bord und brachte sie später nach Haifa. Die israelische Regierung gewährte den Flüchtlingen unbefristetes Aufenthaltsrecht: Die Flucht der „Boatpeople“ erinnerte den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin (מְנַחֵם בְּגִין) an das Schicksal der europäischen Juden, die in den dreißiger und vierziger Jahren meist vergeblich vor den Nazis Zuflucht gesucht hatten.
Später kamen im Rahmen von Familienzusammenführungen noch einige hundert weitere Vietnamesen nach Israel. Seitdem hat auch der Mittelmeerstaat seine kleine südostasiatische Diaspora.

Im Jahr 2005 drehte der israelische Dokumentarfilmer Duki Dror den Film „The Journey of Vaan Nguyen“. Der Film erzählt von Hanmoi Nguyen und seiner Tochter Vaan, die in Tel Aviv leben. Hanmoi erzählte, dass er damals noch nie etwas von Israel gehört hatte, geschweige denn, dass es so ein Land gibt; auch der Begriff Juden war ihm unbekannt.
Obwohl Herr Nguyen heutzutage Hebräisch sprechen kann und in einem Restaurant arbeitet, fühlt er sich nicht heimisch.
Anders ist es bei seinen fünf Töchtern, die alle in Israel geboren sind, Vaan, die Älteste, hat in der Armee gedient, ist Schriftstellerin und publiziert auf Hebräisch.
Mit ihr zusammen reist Hanmoi nach 25 Jahren zum ersten Mal zurück in seine alte Heimat. Der Sohn ehemals reicher Landbesitzer will in seinem Heimatdorf das elterliche Erbe reklamieren. Und er hat mit dem örtlichen Parteifunktionär, der ihn damals mit vorgehaltener Waffe zum Verlassen seiner Heimat zwang, noch eine Rechnung offen. Im Dorf begegnet man dem Rückkehrer mit Misstrauen. Die neuen Bewohner seines Hauses fürchten, ihr schönes Heim zu verlieren. Die lokalen Bürokraten sabotieren seine Rückübertragungsansprüche, wo immer es geht; und der selbstherrliche Parteifunktionär von damals ist inzwischen ein freundlicher älterer Herr geworden, der davon spricht, dass man die Vergangenheit doch endlich ruhen lassen solle.
Während Hanmoi versucht, seine Enttäuschung zu verarbeiten, gerät Tochter Vaan in eine Identitätskrise. Anfangs ist sie vom Land ihrer Vorväter begeistert, doch schnell merkt Vaan, dass das nicht ausreicht, um sich heimisch zu fühlen. Für sie ist die Sprache fremd, sie fühlt sich nur als Touristin.
Video Trailer: The Journey of Vaan Nguyen
Duki Dror gewann im Jahr 2005 für diese Dokumentation mehrere Preise, der Film wurde weltweit auf 30 Filmfestivals ausgestrahlt. Die Doku ist als DVD in vietnamesischer Sprache mit englischem Untertitel erhältlich.
Anmerkung: Aufgrund einer gewöhnungsbedürftigen phonetischen Übersetzung erscheinen die Namen Vaan und Hanmoi in einer etwas seltsamen Schreibform. Eigentlich muss es Van heißen; welcher richtige Name sich hinter Hanmoi verbirgt bleibt leider unbekannt.
Quellen:
www.jewishjournal.com
www.international.ucla.edu


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