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Die geheime Welt der vietnamesischen Arbeiter in Russland

vietn_arbeiter_russland.jpgVor drei Jahren verließ Cuong seine Frau und seine zwei Kinder und ging nach Russland um eine Arbeit zu finden.
Von Hung Nguyen
BBC, Moscow


Vor drei Jahren verließ Cuong seine Frau und seine zwei Kinder und ging nach Russland um eine Arbeit zu finden.

Der junge Mann, aus der Duong Hai Provinz, dachte er würde gutes Geld als Gastarbeiter in einer Fabrik verdienen.

Wie alle illegalen vietnamesischen Arbeiter änderte er seinen Namen, Cuongs wirklicher Name bleibt geheim, damit er nicht entdeckt und aus Russland ausgewiesen wird.

Vietnam hat eine schnellwachsende Wirtschaft, aber viele Leute gehen immer noch nach Russland, dessen Beziehungen zur südostasiatischen Nation bis zur Ära des Kalten Krieges zurückreichen, um dort zu arbeiten.

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Vietnamesische Gastarbeiter arbeiten bis zu 20 Stunden am Tag in Russland
Cuong ist einer von tausend, die die Hitze der Heimat verließen um in die Kälte Russlands zu kommen, um ein „Geisterarbeiter" zu werden, das sind jene Menschen, die in Fabriken angestellt aber nirgendwo registriert sind oder Steuern zahlen.

Drei Jahre nach Cuongs Ankunft hat sich sein Traum vom großen Geld verdienen zu einem Albtraum entwickelt.

Es fing alles an, als er in Moskau keine Arbeit fand, so reiste er in das 200km entfernte Tula, um dort etwas zu finden.

Cuong erzählt, dass ab dort alles bergab ging.

Schlechte Bedingungen

„Ich musste 20 Stunden am Tag arbeiten, um gerade einmal $30 zu erhalten“, berichtete er.

Trotz der Arbeiten am Tag und in der Nacht endete es für Cuong schnell in finanziellen Schwierigkeiten, da er nicht genug Geld verdiente um seine ganzen Kosten zu decken.

„Für ein paar Monate befand ich mich im roten Bereich von mehr als $165".

Er sagte, dass seine Ausweispapiere vom Chef und dem Vorarbeiter konfisziert wurden, um ihn und andere daran zu hindern den Ort zu verlassen.

Schließlich plante Cuong zu flüchten und fand einen anderen Job in einer russischen Baufirma.

Doch auch dort war es nicht besser, der Inhaber der Firma zahlte für mehrere Monate keine Löhne.

Im Gegensatz zu damals ist Cuong heutzutage nicht mehr so optimistisch eingestellt.

Sein Wunsch ist es wieder nach Vietnam zurückzukehren, da seine Mutter an Krebs erkrankt ist und seine Frau die beiden Töchter alleine ohne seine Hilfe aufziehen muss.

Rechtslage

Nach russischen Gesetzt existieren Gastarbeiter, wie Cuong, oder die Firmen für die die Gastarbeiter arbeiten nicht.

Kritiker sagen, dass dadurch die Arbeiter leicht ausgebeutet werden können.

Einige Fabrikbesitzer erzählten mir, dass sie Schmiergelder an die russische Polizei, Finanzbeamte und Personen der Arbeitsbehörde für Ausländer gezahlt hätten um nicht enttarnt zu werden.

In den „unsichtbaren“ Fabriken zu arbeiten ist sehr riskant, weil es illegal ist und einige Arbeiter erzählten mir, dass sie trotz nach Ablauf ihrer Visa blieben, um weiter unter ständiger Angst entdeckt und abgeschoben zu werden, zu arbeiten.

Nach russischem Recht darf jemand, der ausgewiesen wurde erst nach 5 Jahren wieder einreisen.

Aber die findigen Leute haben Tricks, um wieder einreisen zu können.

Einige Arbeiter erklärten, dass wenn man genug Geld zusammen hat, man sich einen neuen Pass mit neuen Namen kaufe und somit wieder zurückkehren könne, um noch mehr Dollars zu verdienen.

Einige Vietnamesen erzählten mir, dass sie trotz der Gefahren, wie sie ihr Geld verdienen, nicht davon träumen würden Geld in ihrer Heimat zu verdienen.

Möglichkeiten

Thanh, eine junge Frau, die aus der gleichen Provinz wie Cuong stammt, kehrte 2006 zum zweiten Mal nach Moskau zurück.

Sie gesteht, dass es sehr viele Gefahren gebe, aber sie habe es bisher nicht bereut.

„Ich bin glücklich einen guten Arbeitgeber zu haben. Die Arbeit ist hart aber ich verdiene genug."

Thanh arbeitet 12-14 Stunden am Tag in einer „Geisterfabrik“ außerhalb Moskaus und verdient $700-800 pro Monat.

Sie gibt kein Geld für Miete aus, da sie umsonst in der Fabrik schläft.

Thanh hatte sich in einen Vietnamesen verliebt, der auch in der Fabrik arbeitet.

Sie gingen nach Vietnam zurück um zu heiraten und kamen wieder mit neuen Namen nach Russland.

Thanh ist nun im siebten Monat schwanger, aber ihr Bauch ist noch sehr klein - sie sagt, dass die langen Arbeitszeiten wahrscheinlich Auswirkungen auf die Entwicklung ihres Babys haben.

Das Ehepaar hat sich schon entschieden nach Vietnam zurückzukehren, wegen der Geburt des Kindes.

Thanh und ihr Mann nehmen die Gefahren auf, da eine Geburt in Moskau zu teuer sei.

Wenn das Baby auf der Welt ist, werden sie mit ihrem Kind wieder unter anderem Namen nach Russland zurückkommen.

Jedoch kann Cuong es nicht mehr abwarten Russland zu verlassen.

Er erhielt ein Dokument der vietnamesischen Botschaft in Moskau, das ihm die Rückkehr in seine Heimat erlaubt - ein neuer Reisepass ist zu teuer.

Seine Hoffnungen hier ein neues Leben aufzubauen wurden bitter enttäuscht und jetzt will er nur noch bei seiner Familie in Vietnam sein.

Das einzige Problem ist, dass er in Russland gestrandet ist, da er kein Rückflugticket besitzt und solange warten muss bis ihm seine Familie das Geld dafür schickt.


Quelle: news.bbc.co.uk